Die Heiligenloher Beeke bekommt Mäander und eine Fischtreppe
Von: Ulf Buschmann

Mit der Renaturierung bekommt die Heiligenloher Beeke wieder Mäanderschleifen.
© Skizze: Amt für regionale Landesplanung
Bis Spätsommer 2027 wird das Gewässer naturnah umgestaltet. Die Anlieger müssen sich auf eine harte Bauzeit einstellen.
Erst geschieht jahrelang nichts, dann geht alles ganz schnell. Dies sind die Momente, die bei Kommunalpolitikern und Experten Glückshormone freisetzen – so geschehen in Twistringen und bei der Umweltstiftung des Landkreises Diepholz beziehungsweise deren Geschäftsführer Jan Kanzelmeier. Dafür sorgt ein in diesem Monat beginnendes Projekt: die Renaturierung der Heiligenloher Beeke. Bis 2027 soll das Gewässer in einen „naturnahen Zustand“, so Kanzelmeier, verwandelt werden. „Das ist ein
großer Erfolg“, sagte der Stiftungschef am Dienstagabend im Ortsrat Heiligenloh. Den kleineren Anteil am Schwall der Glückshormone hatte Bürgermeister Jens Bley. Er wuchs an der Beeke auf und befand: Wenn die Beeke fertig renaturiert ist, sei das „was richtig Gutes“.
Die Renaturierung der Heiligenloher Beeke ist Bestandteil des Projekts Flurbereinigung Heiligenloh. Jene wurde schon am 24. Oktober 2018 beschlossen und umfasst 441 Hektar. „Ziel des Verfahrens ist die Durchführung von Maßnahmen zur Agrarstrukturverbesserung, wie zum Beispiel Anpassung und Ausbau des Wegenetzes an heutige Anforderungen.
Zeitplan
Gehölzfällarbeiten: ab 8. Januar bis 28. Februar
Wegeinstandsetzung und Bodenauftragsflächen: Frühjahr bis 15. Juli
Durchlass Mühlendamm: Frühjahr bis Spätsommer
Gewässerrenaturierung: ab 15. Juli bis Spätherbst 2026 sowie ab 15. Juli 2027 bis Spätherbst 2027
Fragen zum Projekt beantwortet Peter Karger vom Amt für regionale Landesentwicklung unter
04271/801153 oder per Mail an
Außerdem sollen mit dem Verfahren Planungen des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft zur Renaturierung der Heiligenloher Beeke und der Natenstedter Beeke unterstützt werden“, heißt es auf der Internetseite des federführenden Amts für regionale Landesentwicklung (ARL) Leine-Weser mit Sitz in Sulingen.
Bislang war die Umsetzung des Vorhabens an fehlenden Euros gescheitert. Dies änderte sich im Oktober vergangenen Jahres. Quasi aus dem Nichts stellte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Geld zur Verfügung. Rund 2,18 Millionen Euro für Maßnahmen außerhalb von Heiligenloh und 267 000 Euro für die sogenannten innerörtlichen Maßnahmen flossen in den Landkreis Diepholz.
Um geltende Fristen nicht verfallen zu lassen, war schnelles Handeln gefordert – vor allem in Sachen Ankauf von Flächen. Dafür sprangen der Landkreis und die Stadt Twistringen in die Bresche. Aus Diepholz gab es 928 000 Euro aus dem Topf für Ersatzmaßnahmen, der durch Einnahmen aus dem Betrieb von Windkraftanlagen gefüllt wird. Eine Fläche entlang der Beeke innerhalb von Heiligenloh kaufte die Stadt an. Kosten: rund 30 000 Euro.
Was genau die beteiligten Behörden und Institutionen vorhaben, erläuterte ARL-Mann Dieter Karges den Mitgliedern des Heiligenloher Ortsrats im neuen Feuerwehrgerätehaus. Aber nicht nur denen, denn das Interesse am Projekt war groß.
Rund 30 Besucherinnen und Besucher, ein Großteil am Flurbereinigungsverfahren Beteiligte, lauschten Karges’ Erläuterungen – der Gruppenraum war bis fast auf den letzten Platz besetzt. Nachfragen gab es wenige, die Heiligenloher schienen zufrieden mit dem, was mit der Beeke geschehen soll. „Das ist ein Punkt von großem Interesse“, stellte Ortsbürgermeisterin Anke von der Lage-Borchers erfreut fest.

Die Beeke bekommt eine Reihe von Mäanderschleifen, Totholzzonen sowie eine Fischtreppe.
© Charlotte Wolframm
Die heute 4,5 Kilometer lange, fast schnurgerade dahinplätschernde Beeke soll annähernd dahin zurückgebaut werden, wie sie es vor der Begradigung und Vertiefung war. Allerdings werde nicht mehr der Zustand von früher erreicht, erläuterte Kanzelmeier. Die Fachleute würden bei Projekten wie der Heiligenloher Beeke von einer naturnahen Umgestaltung sprechen. Dafür bekommt das Gewässer eine Reihe von Mäanderschleifen und Totholzzonen sowie unter anderem zwischen Mühlendamm und Hencke-Mühle eine Fischtreppe. Die bestehenden Teiche bekommen keinen Anschluss an die Beeke. Und: Es müssen rund 30 000 Kubikmeter Boden bewegt werden. Am Ende verlängert sich die Gewässerlänge von heute 4,5 auf dann 5,2 Kilometer.
Laut Kanzelmeier ist Renaturierung der Beeke ein wichtiger Beitrag für die sogenannte Klimaresilienz. Bei Hochwasser habe die Region beispielsweise „eine Schwammfunktion“. Das bedeutet, Hochwasser kann besser abfließen beziehungsweise versickern. Zudem werde sich die Tier- und Pflanzenwelt wunderbar entwickeln.
Doch bis alles fertig ist, müssen sich die Anlieger auf all das einstellen, was eine Großbaustelle mit sich bringt – Lärm, Staub und Dreck inklusive. Denn: Für die Arbeiten kommen auch große und entsprechend schwere Fahrzeuge und Baumaschinen zum Einsatz. „Die nächsten zwei Jahre werden hart werden“, stimmte Karges die Heiligenloher auf das ein, was da kommt: „Aber in drei bis vier Jahren hat sich alles wieder entwickelt.“
Die Arbeiten teilen sich in fünf Abschnitte ein. Bereits jetzt haben die Arbeiten zum notwendigen Fällen von Bäumen begonnen – diese müssen bis Ende Februar wegen der einsetzenden Brut- und Setzzeiten bei den Tieren erledigt sein.
Ab Frühjahr werden die benötigten Wege und Straßen für die Baufahrzeuge instandgesetzt. Parallel dazu sind die Bodenarbeiten sowie der Bau des Durchlasses am Mühlendamm geplant.
Ab 15. Juli bis Spätherbst beginnt der erste Teil der Renaturierung der Beeke. Wegen des Schutzes von Tieren und Pflanzen steht Teil zwei erst 2027 auf dem Bauplan (siehe Infokasten).
Quelle: Pressemitteilung vom 07.01.2026



