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Augen der Landschaft – neu entdeckt

dbu

drentwede
"Mühlenschlatts" in Drentwede

Erprobung übertragbarer Techniken und Methoden zur Erkundung und Wiederherstellung historischer Schlattstandorte für Nord-West-Deutschland

I. Projektträger
Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz
Niedersachsenstr. 2
49356 Diepholz

Internet: www.stiftung-naturschutz-diepholz.de
Projektleitung: Jan Kanzelmeier / 05441-976-1460
Projektkoordinator: Kai Backhaus / 05441-976-1277

II. Projektförderung
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
Projektbegleitung: Dr. Volker Wachendörfer / 0541-9633-332

III. Projektdatenzusammenfassung
Titel: Augen der Landschaft – neu entdeckt / Erprobung übertragbarer Techniken und Methoden zur Erkundung und Wiederherstellung historischer Schlattstandorte für Nord-West-Deutschland
Projektgesamtkosten:

  • 241.000,- €, davon
  • 100.000,- € Fördermittel der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
    • 141.000,- € Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz, davon
      • 120.000,- € Zuschüsse in den verschiedenen Flurbereinigungsverfahren (Amt für regionale Landesentwicklung Leine – Weser, Geschäftsstelle Sulingen)
      • 21.000,- € Eigenanteil der Stiftung Naturschutz
  • zusätzlich Mittel für die Flächenbereitstellung, die nicht über dieses Projekt zur Verfügung gestellt werden

Projektlaufzeit: 28.01.2013 bis 31.12.2017

Projektmaßnahmen: Wiederherstellung von insgesamt acht historischen Schlattstandorten auf fünf Projektflächen mit einer Gesamtprojektflächengröße von über 21 ha.

IV. Kurzfassung des Gesamtvorhabens

Mit dem Projekt „Augen der Landschaft – neu entdeckt“ sollen modellhaft einige ehemals und inzwischen stark beeinträchtigte oder verschollene Standorte des regionaltypischen Gewässertyps „Schlatt“ wiederhergestellt, d. h. über technische Maßnahmen wieder in einem möglichst naturnahen Zustand gebracht werden. „Schlatts“ sind i. d. R. grundwasser-unabhängig und werden überwiegend von Oberflächenwasser gespeist.

Als Basis dieser Arbeit ist zunächst die Erfassung der historischen Gewässerstandorte und kartenmäßige Bearbeitung über Geografische Informationssysteme einschließlich einer statistischen Auswertung geplant.

Auf dieser Grundlage ist die hydrogeologische Erkundung degenerierter Schlattstandorte zur Feststellung der Entstehungsform und Ausarbeitung der Wiederherstellungsmöglichkeiten notwendig. Zugleich soll erprobt werden, ob die hierbei angewendeten Techniken und Methoden zur Herleitung der Entstehungsform und Entwicklung von Wiederherstellungsplänen ausreichend sind.

Die Wiederherstellung historischer Schlattstandorte ist für weite Bereiche des Landkreises Diepholz und auch Nord-Westdeutschlands von besonderer Bedeutung, da in den dortigen Geestlandschaften grundwassergespeiste Tümpel aufgrund der hohen Grundwasserflurabstände kaum möglich sind.

Mit erfolgreicher Herstellung solcher Gewässer werden entscheidende ökologische Vorteile für die jeweiligen Landschaftsausschnitte erreicht.

V. Kooperationspartner

  • Landkreis Diepholz, Fachdienst Kreisentwicklung
    • Untere Naturschutzbehörde
    • Servicestelle für Flächenpool und Ökokonto
      • Flächenbereitstellung, Finanzierung von Flächenerwerb
    • GIS-Büro
      • Grundlagenermittlung / Georeferenzierung von Kartenmaterial / statistische Auswertungen
    • Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser, Geschäftsstelle Sulingen
      • Bereitstellung von Flächen und finanzielle Unterstützung der Maßnahmen in Flurbereinigungsgebieten

VI. Aktueller Stand in Forschung und Praxis

Die Sandlößgebiete NW-Deutschlands – und damit auch Teile des Landkreises Diepholz – gelten als Verbreitungsschwerpunkt des Gewässertyps „Schlatt“. Genauere statistische Erkenntnisse zur aktuellen und ehemaligen Verbreitung, zur Häufigkeit und zum Flächenanteil dieser Gewässer liegen derzeit – im Gegensatz zu den nordostdeutschen Söllen - nicht vor. Lediglich einzelne Gutachten der Stiftung Naturschutz und einige Literaturstellen geben kleinräumig Hinweise zu diesen Fragen. Es kann davon ausgegangen werden, dass über 90 % dieser regionstypischen Gewässer verschwunden sind.

Gezielte und dokumentierte Untersuchungen zur Wiederherstellbarkeit von Hohlformen in Nord-West-Deutschland sind außerhalb der Tätigkeit der Stiftung Naturschutz nicht bekannt.

VII. Beitrag zur Artenvielfalt

Kleingewässer jeglicher Form gelten als die „Hot spots“ der Biodiversität und sind Lebensraum zahlreicher Arten, darunter i. d. R. seltene und geschützte Arten. Einzelgewässer wie auch Gewässernetzwerke sind wichtige Rückzugsräume und wertvolle Trittsteine im Biotopverbund, was insbesondere in intensiv genutzten Landschaftsräumen – wie im Landkreis Diepholz - von größter Bedeutung ist.

Temporäre Kleingewässer – zu denen auch viele Schlatts zählen – gehören aufgrund ihrer besonderen Gewässerchemie und –physik zu den gefährdetsten Süßwasserhabitaten Europas.1

Einige der konkreten Projektflächen werden gezielt so ausgewählt, dass sich die Populationen der dort vorkommenden Amphibienarten (insbesondere Laubfrosch und Kammmolch) stabilisieren und entwickeln können.

VIII. Fachliche Erläuterungen

„Schlatts“ sind muldenförmige Kleingewässer, die aus spät- oder nacheiszeitlichen Verwehungen über nicht verwehbaren Bodenschichten entstanden sind und dauerhaft oder auch nur periodisch Wasser führen (s. Profilschnitt auf dem Deckblatt). Im regionalen Sprachgebrauch werden inzwischen häufig alle naturnah gestalteten Gewässer als „Schlatts“ bezeichnet. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird eher der Begriff „Hohlform“ verwendet.

Die Sandlößgebiete NW-Deutschlands – und damit auch Teile des Landkreises Diepholz – gelten als Verbreitungsschwerpunkt dieses Gewässertyps. Genauere statistische Erkenntnisse zur aktuellen und ehemaligen Verbreitung, zur Häufigkeit und zum Flächenanteil dieser Gewässer liegen derzeit – im Gegensatz zu den nordostdeutschen Söllen - nicht vor. Lediglich einzelne Gutachten der Stiftung Naturschutz geben kleinräumig Hinweise zu diesen Fragen. Es kann davon ausgegangen werden, dass über 90 % dieser regionstypischen Gewässer verschwunden sind.

IX. Ziele und Methoden des Projekts

Ziel des Projektes ist es, die Wiederherstellbarkeit historischer Schlattstandorte zu untersuchen und beispielhaft aus unterschiedlichen Ausgangssituationen heraus in der Praxis umzusetzen und deren ökologische Wirkung zu überprüfen. Zugleich sollen Techniken und Methoden zur Erkundung dieser Standorte erprobt werden.

Bei diesem Projekt geht es nicht um die Sanierung / Restauration von bestehenden Schlattkörpern unter Beibehaltung der hydrogeologischen Bestandssituation, wie dies fachliche Praxis in laufenden Kleingewässerprogrammen sein kann. Vielmehr sollen Schlattstandorte in ihrer ursprünglichen Ausprägung mit möglichst naturnahem Biotopwasserhaushalt hergestellt werden, die in ihrer Ausformung, Gewässerchemie und physik sowie Biotopausstattung unveränderten Schlatts nahe kommen. Ausgangsituation können hierbei sowohl stark degenerierte und teilverfüllte oder zu Fischteichen umgestaltete Restschlatts, wie auch vollkommen meliorierte als Kulturland genutzte Landschaftsausschnitte – sog. „Geisterschlatts“ - sein. Ziel ist es, Schlatts mit ihrem ursprünglichen Landschaftscharakter zu entwickeln.

Dazu werden verschiedene Bausteine / Teilziele erarbeitet:

  1. Grundlagenermittlung

    Ermittlung historischer Schlattstandorte auf Basis historischer Karten bzw. Luftbilder und Vergleich mit der heutigen Situation.

  2. Hydrogeologische Erkundung degenerierter Schlattstandorte zur Feststellung der Entstehungsform und Ausarbeitung von Wiederherstellungsmöglichkeiten

    Voraussetzung für die Wiederherstellung alter Schlattstandorte ist die hydrogeologische Erkundung der Hohlform und ihrer näheren Umgebung mit Hilfe mehrerer Bohrungen.

  3. Wiederherstellung historischer Schlattstandorte in der Praxis

    Auf Basis der Ergebnisse der hydrogeologischen Erkundung soll die technische Durchführbarkeit anhand verschiedener Ausgangssituationen in der Praxis erprobt werden.

    X. Ergebnisse

  4. Lage und Anzahl historischer Schlattstandorte

    Hierzu wurde eine Georeferenzierung auf Basis der historischen Preussischen Landesaufnahme (Herausgabezeitraum 1877 bis 1912) und aktuellen Karten mittels Geografischen Informationssystemen durchgeführt. Anhand der georefenzierten Lagen der historischen Schlattstandorte im Abgleich mit der aktuellen Situation wurde eine statistische Auswertung durchgeführt.

    Insgesamt wurden in den ausgewählten Untersuchungsgebieten 522 historische Schlattstandorte mit einer Gesamtfläche von 326,56 ha festgestellt. Heute befinden sich in diesen Untersuchungsgebieten noch 117 Gewässerstandorte (Rückgang auf 22,4 %) mit einer Gesamtfläche von 39,75 ha (Rückgang auf 12,2 %). Die Anzahl pro 100 ha / km² schwankt zwischen 1,75 und 14,22 bei den historischen und zwischen 0,28 und 7,16 bei den aktuellen Schlattstandorten.

  5. Wiederherstellung historischer Schlattstandorte in der Praxis

    Im Zuge dieses Projektes wurden insgesamt acht historische Schlattstandorte auf fünf Projektflächen hergestellt:

    Schlatt Nr Projektfläche
    Lage
    Projektlächengröße
    in ha
    Max.
    Wasserfläche
    in ha
    Ausführungszeitraum
    1
    2
    Westernheide
    Flurbereinigung Homfeld-Wöpse
    4,4 0,7
    0,3
    Okt. 2014
    3 Fuchsberg
    Flurbereinigung Ochtmanien-Weseloh
    3,0 0,8 Okt. 2015
    4 Üssinghausen
    Flurbereinigung Delmetal
    4,1 0,8 Okt. 2015
    5
    6
    7
    Drentwede
    Flurbereingung Drentwede
     
    7,2 0,1
    0,4
    1,6
    Okt. 2016
    8 Hittloge
    Flurbereinigung Scholen
    2,4 0,4 Januar 2017
      Gesamt 21,1    

schuerfgraben
Schürfgraben zur Feststellung der Auffüllungsstärke

entnahme
Entnahme der Auffüllung bis auf die Urschicht

rueckbau
Rückbau von Drainagen im Schlattbereich

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Abschlussveranstaltung 26.10.2017

Erprobung übertragbarer Techniken und Methoden zur Erkundung und Wiederherstellung historischer Schlattstandorte für Nord-West-Deutschland

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Augen der Landschaft - neu entdeckt / Lage der Projektflächen

karte01

karte02

Fotodokumentation vor der Maßnahme

Projektflächen

rotProjektflächen

blauBereich der Abgrabung (Auffüllung)

Luftbilder 2014

westernheide
Westernheide

ochtmanien
Ochtmanien-Fuchsberg

uessinghausen
Üssinghausen

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Drentwede

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Hittloge

Fotodokumentation nach der Maßnahme

westernheide01

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Projektfläche "Westernheide"  (Aufnahme: Mai 2017)

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Projektfläche "Ochtmanien-Fuchsberg" (Aufnahme: Mai 2017)

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Projektfläche "Üssinghausen" (Aufnahme: Mai 2017)

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Projektfläche "Drentwede" (Aufnahme: Mai 2017)

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Projektfläche "Hittloge" (Aufnahme: Juni 2018)

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