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Nachhaltiges Modell für die Zukunft

Canape-Projekttreffen in Belgien / Holthuis berichtet über Moorschutzaktivitäten im Landkreis

Barver/Kalmthout – Moorschutz ist nicht nur hierzulande ein wichtiges Thema, sondern auch in anderen europäischen Ländern. Die Partner des europäischen Canape-Projektes, das sich auch im Landkreis Diepholz um den Moorschutz kümmert, trafen sich am Dienstag und Mittwoch zu ihrem halbjährlichen Erfahrungsaustausch in Kalmthout nahe Antwerpen (Belgien).

Am ersten Tag standen Organisatorisches und die Arbeitsfortschritte der einzelnen Partner auf der Tagesordnung. Der zweite Tag war einer Exkursion zum 6 000 Hektar großen grenzübergreifenden Naturschutzgebiet „Grenspark Kalmthoutse Heide“ gewidmet.

Bei den Projektbesprechungen waren unter anderem die Brexit-Turbulenzen ein Thema, da in dem EU-Projekt der englische Partner hauptverantwortlich ist. Seine künftige Rolle hänge stark vom Ausgang der laufenden Brexit-Debatte ab und mache eventuell eine Projektumstrukturierung nötig, erläutert Jens-Uwe Holthuis von der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz in einer Mitteilung. Das Projekt als Ganzes stehe aber nicht infrage.

Holthuis vertrat die vier deutschen Partner. Er stellte die aktuellen Entwicklungen bei der Planung der Torfmoosfarm Barver vor, die langsam konkret wird. Die anschließende Diskussion habe gezeigt, dass die in Barver geplante nasse Landwirtschaft auf Mooren („Paludikultur“) eine Anlaufzeit zur Sammlung von Erfahrungen brauchen werde, dann aber für die nächste Generation ähnlich der Windenergie ein nachhaltiges Modell für die Landwirtschaft der Zukunft sein werde, so Jens-Uwe Holthuis.

Daneben fand die Diepholzer „Moorland-Klimaspende“ des BUND das Gefallen der belgischen Partner, die selbst an die Einführung eines regionalen CO2-Zertifikatehandels denken. Und eine kleine Probeverkostung eines selbst gemachten Torfmoosschnapses mit seinem sanft-würzigen Aroma fand Anklang.

Die abschließende Exkursion führte in das küstennahe Naturschutz- und Erholungsgebiet „Kalmthoutse Heide“ mit einem abwechslungsreichen Mosaik aus sandigen Dünenwällen und moorigen Tälern. Fredrik Naedts vom belgischen Projektpartner Natuurpunt erläuterte am Beispiel des stark entwässerten Hochmoorgebiets „De Nol“ die Maßnahmen zur Renaturierung des Feuchtgebietes. Projektmanager Holthuis: „Für uns sind die Erfahrungen unserer belgischen Canape-Partner mit ihrer ausgeklügelten, von den Landeigentümern akzeptierten Anhebung der Wasserstände und die Schaffung von Offenland durch eine intensive Druckbeweidung zur Verdrängung des unerwünschten Pfeifengrases wertvoll und inspirierend.“ Ein solcher gegenseitiger Erfahrungsaustausch zeige für alle Teilnehmer neue, manchmal sogar kostengünstigere Lösungen für den Alltag des Moorschutzes auf.

Quelle: Kreiszeitung vom 04.10.2019