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Neuer Lebensraum für Amphibien

Aus dem ehemaligen Löschteich in Albringhausen wird naturnahes Gewässer

Von Frauke Albrecht

Albringhausen – Zum Glück hatte Kai Backhaus von der Stiftung Naturschutz am Freitagmorgen noch Maurerkübel, Eimer und Kescher eingepackt, bevor er sich auf den Weg nach Albringhausen machte.

Die Amphibienwanderung hat begonnen. Ich habe mir das schon gedacht“, sagte Backhaus mit Blick auf den Eimerinhalt. Zwei Tierchen schien die vorübergehende Zwangsräumung nichts auszumachen, sie paarten sich im Eimer. „Die bekommen sie jetzt auch nicht mehr auseinander“, so Backhaus.

„Ziel erreicht, würde ich sagen“, freute sich Jürgen Laschinski, Vorsitzender des Heimatvereins Albringhausen, der mit Vereinsmitglied und Bauhofleiter Klaus Ehlers die Idee hatte, den nicht mehr genutzten Feuerlöschteich naturnah umzuwandeln.

Der Teich wird von der Feuerwehr seit 20 Jahren nicht mehr benötigt. „Im vergangenen Jahr war der Überlauf verstopft. Nach einem heftigen Regenguss stand die Straße unter Wasser. Der Nachbar hat uns aus Sorge angerufen. Er fürchtete, dass seine Scheune geflutet wird“, erinnert sich Ehlers. Er sah sich die Situation an und hatte die Idee, den Teich ins Schlattprogramm der Stiftung Naturschutz aufzunehmen.

Der Heimatverein nahm Kontakt auf, und nach mehreren Gesprächen waren sich der Besitzer der nebenliegenden Fläche, die Stadt und die Stiftung Naturschutz einig und unterzeichneten Verträge. Der Heimatverein versprach, sich künftig um die Pflege zu kümmern. Alle hoffen, dass sich dort nun Amphibien ansiedeln.

„Das Gewässer ist kein richtiges Schlatt“, erklärte Backhaus gestern. Denn Schlatts seien stets historische Gewässer ohne künstlichen Zulauf. Dennoch passe der ehemalige Feuerlöschteich ins Programm. „Wir versuchen, ihn naturnah zu gestalten. Die Nordseite muss flach sein, damit die Wasserbewohner, zum Beispiel Amphibien, leichter ablaichen können“, so Backhaus. Aus diesem Grund war gestern auch schweres Gerät mit angerückt. Unter den strengen Augen von Falk Nöth wurde der Schlamm ausgebaggert.

Mit dem Gewässer in Albringhausen verfügt die Stiftung Naturschutz über 414 Flächen – davon sind 340 Kleingewässer und Schlatts. In Bassum gibt es 48 Projektflächen. Dazu zählen Gewässer, Feuchtwiesen mit Orchideen, Streuobstwiesen und Fließgewässer. „Häufig arbeiten wir mit Privatleuten zusammen“, so Backhaus.

Er nutzte die Gelegenheit, um mit zwei Irrtümern aufzuräumen: „Viele private Teichbesitzer glauben immer, dass zu einem richtigen Gewässer unbedingt Fische gehören.“ Dem sei nicht so, denn die würden den Laich auffressen. Außerdem dürfen Schlatts im Sommer ruhig mal trocken fallen. Das sei nicht schlimm.

Wer bei sich im Garten einen Laubfrosch sieht, könne sicher sein, dass die Umgebung einigermaßen intakt sei. Backhaus: „Der Laubfrosch ist der Indikator für eine naturnahe Landschaft – sofern das in der Kulturlandschaft überhaupt möglich ist.“ In Albringhausen wurde gestern noch kein Laubfrosch gesehen, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Quelle: Kreiszeitung vom 08.02.2019