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Ausgabe 2010

Der Stemweder Berg – ein verborgenes Juwel

Stemweder BergLandschaftsprägende Buche „Auf den Bröken“ - Jan Kanzelmeier
Zauneidechse - Frank Körner

In kaum einem anderen Landkreis kommen so viele und unterschiedliche Landschaftsräume vor wie im Landkreis Diepholz. Im Norden beginnend mit der Weser und der Wesermarsch, übergehend in die Geestbereiche mit ihren Geestbächen und vermoorten Tälern, ergänzt durch die Hochmoore in der Mitte und im Süden sowie durch die Heide in Kuppendorf, begleitet durch die Flüsse „Hunte“ und „Große Aue“ findet man ganz im Südwesten den Dümmer und eben – etwas verborgen – den Stemweder Berg.

Aufgrund seiner Entstehungsgeschichte wird er auch als „nördlichstes Mittelgebirge“ Deutschlands bezeichnet. Das auch „kleinste Mittelgebirge“ Deutschlands bietet mit seiner Vielzahl von Landschaftsbildern und unterschiedlichen Strukturen einen wunderschönen Anblick und eine einzigartige Landschaftsästhetik.

Dies weiß die Stiftung Naturschutz schon seit Beginn ihrer Tätigkeit vor inzwischen über 25 Jahren. Seitdem konnten mit starken Partnern (insbesondere mit der BASF Polyurethanes GmbH) gezielt geeignete Flächen erworben und landschaftsgerechte Maßnahmen durchgeführt werden.

Mit unserem Mitteilungsblatt möchten wir Ihnen den Stemweder Berg vorstellen und damit auch bekannt machen. Denn wer weiß schon, dass es in unserem Landkreis ein „Mittelgebirge“ gibt? Vielleicht wecken wir bei Ihnen das Interesse, dieses „verborgene Juwel“ für sich zu entdecken.

Der Vorstand der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz:
Fritz Halves (Vorsitzender)
Heinz Brinkmann
Detlef Tänzer

Der Stemweder Berg - Landschaftsbild und Geologie

Karte

Der Stemweder Berg liegt südlich des Dümmer Sees auf der Grenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen. Wie die angrenzende Gemeinde Stemwede erhielt er seinen Namen von der mittelalterlichen Freigrafschaft Stemwede.

Die höchste Erhebung weist er beim „Scharfen Berg“ mit einer Höhe von 181 Meter über NN in Nordrhein-Westfalen auf. Auf Diepholzer Seite erreicht er rd. 150 m und ist damit die höchste Erhebung im Landkreis. Der waldreiche Höhenzug ist 6 bis 7 km lang, 1 bis 3 km breit und erhebt sich am Südrand der Norddeutschen Tiefebene. Der Stemweder Berg besteht aus über 200 Mio. Jahre altem ehemaligem Meeresboden, der infolge von tektonischen Plattenbewegungen empor gedrückt wurde. Er verfestigte sich unter enorm großen Druck in Millionen Jahren zu Kalksandstein. Wer genau hinschaut, kann Fossilien als Indizien finden.

Der Höhenzug setzt sich zusammen aus Schichten der obersten Kreide und seine Hänge aus fruchtbarem Lößboden. An der Südseite befinden sich auf einer Grundmoränenplatte Ablagerungen aus Verwitterungsgestein. Er unterscheidet sich damit von den anderen Erhebungen innerhalb des Landkreises, die eiszeitlicher Entstehung sind. Eine ganz besondere Bedeutung für den Landschafts- und Naturschutz erhält der Berg nicht nur durch seine waldbedeckten Kuppen und Waldränder, sondern auch durch seine ganz unterschiedlichen Standortbedingungen in der Kulturlandschaft. Das hier anstehende Mosaik aus ganz armen sandigen bis zu reicheren kalkhaltigen Böden bringt einen besonderen Reichtum an Pflanzen- und Tierarten mit sich. Eine reizvolle Ergänzung stellen auch die teilweise noch vorhandenen Obstwiesen und Steinbrüche als historische Elemente der Kulturlandschaft dar.

Der Stemweder Berg - die Stiftungsprojekte

WildkräuterwieseFotos: Obstwiese auf den Bröken - Jan Kanzelmeier
v. l. Distelfalter, Weinbergslauch, Dorniger Hauhechel, Zitronenfalter - alle Frank Körner

ObstbaumwieseFotos:Eingang Obstwiese - Holger Knoblauch
Lungenkraut - Jan Kanzelmeier
b2010_03aFoto: Blick auf den Stemweder Berg - Thorsten Krüger / DümmerWeserLand Touristik
Grünes Heupferd - Frank Körner
AckerwildkrautwieseFoto: Ackerwildkrautwiese - Frank Körner

Die Stiftung Naturschutz konnte am Nordhang des Stemweder Berges etliche Flächen in einer Größe von rd. 17 ha erwerben. Auf diesen Flächen wurden Wälder angepflanzt, Waldränder und Hecken gestaltet, alte Obstwiesen gepflegt, neue Obstwiesen angelegt und Flächen zum Schutz von Ackerwildkräutern entwickelt. Die Kernfläche der Stiftungsprojekte befindet sich ganz im Osten des Stemweder Berges, in Brockum - „Auf den Bröken“.

Hier fällt gleich eine landschaftsprägende Buche ins Auge. Die außergewöhnliche Rot-Buche (Fagus sylvatica) lockt zahlreiche Besucher an. Sie ist vermutlich um 1850 gepflanzt worden und weist drei Einzelstämme auf. Der imposante Baum misst einen Stammumfang von 6,30 m, der Kronenbereich hat einen Durchmesser von 27 m bei einer Baumhöhe von 25 m. Damit dürfte sie einer der größten Bäume des Landkreises sein.

Wer unter der „dicken“ Buche hindurch geht, gelangt auf eine Streuobstwiese. Im oberen Bereich befindet sich eine alte Streuobstwiese. Die inzwischen knorrigen Bäume wurden etwa vor 70-80 Jahren gepflanzt und bieten vielen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und Nahrung. Ergänzt wird sie durch 300 jüngere Obstbäume, die Mitte der neunziger Jahre gepflanzt wurden. Zur Zeit der Obstblüte kann diese prächtige Obstwiese schon von Brockum aus gesehen werden.

Um die besondere Landschaftsästhetik „Auf den Bröken“ weiter aufzuwerten, wurden weiterhin Gehölzanpflanzungen durchgeführt und eine Ackerwildkrautfläche mit abwechslungsreichen Blütenhorizonten angelegt.

Die Stiftung Naturschutz hat am Stemweder Berg eine Vielzahl von Landschaftselementen geschaffen, die das Landschaftsprofil stärken, das kleinräumige Landschaftsbild optimieren und das wertvolle Mosaik an Lebensräumen wiedergeben. Die Flächen an der Buche und die angrenzende Streuobstwiese sind für Besucher zugänglich. Als nächstes sind hier Maßnahmen geplant, die den Erlebniswert der Natur erhöhen.

Neuer Vorstand in der Stiftung

VorstandFritz Halves, Detlef Tänzer, Heinz Brinkmann, Alfons Hallen

Nach 26 Jahren Engagement für die Stiftung Naturschutz wurde im September 2010 Alfons Hallen verabschiedet. Der Stiftungsmitbegründer erntete für seinen vorbildlichen Einsatz für die Stiftung vielfach Lob und Anerkennung. Durch Hallens Engagement konnte behördlicher und ehrenamtlicher Naturschutz erfolgreich miteinander verknüpft werden. Neuer Vorstandsvorsitzender ist Fritz Halves (Ehrenburg), weitere Vorstandsmitglieder sind Detlef Tänzer (Diepholz) und Heinz Brinkmann (Syke)