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Ausgabe 2005

b2005_01
Ausgewachsener Laubfrosch auf Klettertour (Uwe Manzke, Hannover)

Das kleine Laubfrosch 1x1 für den Landkreis Diepholz

Der Laubfrosch ist eine der bekanntesten Amphibienarten. Dies liegt wohl leider nur daran, dass er als Wetterfrosch in Einmachgläsern und als Froschkönig aus Märchen einen gewissen Bekanntheitsgrad gewonnen hat. Sein Bekanntheitsgrad hat ihn jedoch nicht vor starken Bestandseinbrüchen gerettet.

In den letzten Jahren rückte der Laubfrosch immer mehr in das Interesse der Stiftungsarbeit. Daher wird es endlich Zeit, dass wir ihnen diesen kleinen grünen Sympathieträger einmal näher vorstellen.

Mit unserem kleinen Laubfrosch-1x1 möchten wir ihnen die wesentlichsten Daten zur Biologie, zur Verbreitung und auch zur Gefährdung dieses Tieres darstellen.

Vielleicht können wir sogar den einen oder anderen Leser für eine Zusammenarbeit im Sinne des Laubfroschschutzes gewinnen.

Denn das wichtigste Ergebnis kann schon vorweggenommen werden:

"Es gibt noch viel zu tun! Packen wir es an!"

Viel Spaß beim Laubfrosch 1x1

Der Vorstand der Stiftung Naturschutz: Josef Meyer, Detlef Wulfetange, Alfons Hallen

 

b2005_02Flaches, besonntes, vegetationsreiches
Gewässer im Übergang zur Viehweide in
Hittloge-Bruchhausen-Vilsen:
eines der wenigen optimalen
Laubfroschgewässer im Landkreis Diepholz
b2005_03Junger Laubfrosch auf erster Entdeckungsreise in einem Himbeerstrauch als typischen Sommerlebensraum in Weyhe/Twistringen
(Foto: Martin Lütjen)

Wie sieht er aus?

Mit einer Körperlänge von ca. 4 cm bei ausgewachsenen Tieren ist der Laubfrosch die kleinste Froschart unserer Region. Mit der oberseits zumeist hellgrünen Färbung, den dunklen Flankenstreifen und den scheibenförmig verbreiterten Finger- und Zehen-spitzen ist er kaum mit anderen Arten zu verwechseln. Männchen und Weibchen sind schwer zu unterscheiden. Die Kehlregion der Männchen ist bräunlich bis gelblich gefärbt und erscheint faltig. Die der Weibchen ist heller und glatt. Aus der Kehlregion entwickeln die Männchen während des Rufens eine kehlständige Schallblase.

Er ist der einzige Frosch unserer Region, der an Bäumen und Sträucher empor klettern kann.

In welchen Biotopen lebt er?

Die Laubfroschlebensräume bestehen aus drei Elementen: Laichgewässer, Sommerlebensraum und Überwinterungsquartier. Das ideale Laichgewässer ist flach, vegetationsreich, fischfrei und besonnt. Ein gelegentliches Trockenfallen der Gewässer schadet nicht.

Der standardmäßige Sommerlebensraum besteht aus Wiesen und Weiden mit Gehölzrändern. Winterquartiere finden sie in Wäldern und Gehölzen an Stubben und Wurzeln, in Totholz- oder Laubhaufen. In den Gewässern überwintern sie in unserem Raum nicht.

 

b2005_04Laubfroschlarve mit typischem
"Goldbauch" (Frank Scherbarth)
b2005_05Verbreitungskarte: Laubfrosch-Rufgewässer im Landkreis Diepholz und angrenzenden Bereichen

Froschkonzerte - Jahresgang

Ab März verlassen die Laubfrösche die Winterquartiere um zu den Laichgewässern zu wandern. Diese Wanderungen können mehrere Kilometer betragen und erfolgen in der Dämmerung und Nachts.

Die Paarungsrufe des Männchen sind ab Mitte April an den Gewässern bei guten Witterungsbedingungen ab 8 °C zu hören. Trotz der geringen Körpergröße entwickelt der Laubfrosch eine enorme Rufstärke - bei günstigen Witterungsbedingungen können sie über Entfernungen von über 2000 m gehört werden.

Die Weibchen setzen mehrere Laichklumpen mit jeweils zwischen 20 und 50 Eiern an Wasserpflanzen ab. Die Larven (Kaulquappen) schlüpfen nach ca. 1 Woche. Aus den Larven entwickeln sich bis Juli kleine Laubfrösche. Sie halten sich zunächst in der Nähe der Gewässer auf ehe sie in die umliegenden Flächen abwandern.

Ab Oktober wandern sie zu den Überwinterungsquartieren.

Wo kommt er vor?

Mit Ausnahme von Norwegen, Finnland, dem größten Teil Schwedens, Irland und Großbritannien findet der Laubfrosch in Europa eine weite Verbreitung.

In Niedersachsen hat er seine Verbreitungsschwerpunkte im Wendland, auf der Stader Geest, in der Region Hannover und weiteren kleineren Bereichen. Im Landkreis Diepholz kommt er um rund 130 Gewässer vor - schwerpunktmäßig in Bruchhausen-Vilsen, im Bereich des "Oberwaldes" zwischen Schwaförden und Hallstedt, Twistringen, Syke, Bassum (Streitheide, Schweinsheide), Drentweder Heide und am Rand des Oppenweher Moores.

Warum gibt es nicht mehr?

Der Laubfrosch gilt als stark gefährdet (Rote-Liste-Kategorie 2). Er gehört damit zu den Arten, die im nahezu gesamten einheimischen Verbreitungsgebiet zurückgehen oder regional verschwunden sind.

Wesentlichste Ursachen sind der Verlust und die Entwertung geeigneter Gewässer, die Veränderung der Landlebensräume (Sommer- und Winterquartiere) sowie die Intensivierung der Landschaftsnutzung.

Optimale Laubfroschlebensräume ohne größere Störungen sind heute im Landkreis Diepholz kaum noch vorhanden.

 

b2005_06Verbuschtes Kleingewässer mit geringen
Biotopqualitäten vor der Maßnahme;
Bassum-Röllinghausen
b2005_07Freigestelltes und entrümpeltes Gewässer nach der Biotopoptimierung; der Laubfrosch kann kommenb2005_08Schwarzes Moor - Hauptvermehrungsgewässer für den Raum Bassum
(Fotos: Stiftung Naturschutz)

Maßnahmen der Stiftung Naturschutz

Es war immer die Aufgabe der Stiftung Naturschutz im Rahmen ihres Schlattprogramms Kleingewässerstandorte zu sichern, zu entwickeln und neu anzulegen. Zunächst erfolgte dies im Sinne des allgemeinen Biotop- und Gewässerschutzes. Eine spezifische Ausrichtung auf den Laubfroschschutz erfolgte aufgrund der oben erläuterten Gefährdungssituation erst später und gilt derzeit auch nicht für alle Bereiche des Landkreises.

Von den 130 Laubfroschgewässern im Landkreis werden knapp 40 % von der Stiftung Naturschutz betreut. Besonders wichtig ist dabei der Anteil der Gewässer, bei denen von einer gesicherten Fortpflanzung ausgegangen werden kann. Dies ist nach derzeitigem Kenntnisstand nur bei rd. 35 Gewässern der Fall, von denen wiederum 25 von der Stiftung Naturschutz betreut werden. Somit werden also über 70 % der für den Erhalt des Laubfroschs wichtigen Fortpflanzungsgewässer von der Stiftung Naturschutz betreut.

Ohne die Arbeit der Stiftung Naturschutz würde sich die Situation des Laubfrosches sicherlich wesentlich schlechter darstellen.

Was ist noch zu tun?

Trotz der immerhin 130 bekannten Laubfroschgewässer ist diese Art noch immer nicht langfristig gesichert. Bei vielen kleineren Vorkommen ist zumindest beim Zusammenkommen mehrerer Beeinträchtigungen (trockener Sommer, harter Winter, Krankheiten, Biotopverlust und –entwertung) ein Erlöschen nicht auszuschließen.

Nach einer ersten gutachtlichen Einschätzung gehen wir davon aus, dass noch mindestens 50 Gewässer, in denen regelmäßig eine Reproduktion erfolgt, neu angelegt werden müssen, um die Laubfroschvorkommen zu stabilisieren. Dazu gehört auch die Berücksichtigung der Sommer- und Winterlebensräume sowie die Schaffung von Ausbreitungskorridoren. Parallel sind die bereits vorhandenen Biotope durch ein angepasstes Biotopmanagement zu erhalten und zu entwickeln.

Und was können Sie tun?

Sie können uns und vor allen Dingen den Laubfrosch unterstützen, in dem Sie Flächen für Gewässerneuanlagen zur Verfügung stellen, biotopverbessernde Maßnahmen auf ihren Grundstücken erlauben, Laubfroschfunde mitteilen oder auch projektgebundene Spenden geben. Nähere Informationen zu allen Aspekten des Laubfroschschutzes können Sie in unserer Geschäftsstelle einholen.

Jan Kanzelmeier

SPENDENKONTO:
Kreissparkasse Diepholz
BLZ 256 513 25
Konto-Nr.: 8805