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Ausgabe 2003

Sumpfdreizack - ein seltener Gast in der Orchideenwiese

b2003_01Sumpf-Dreizack
(Triglochin palustre)

Sumpf-Dreizack? Ein gefährlich klingender Name für eine unscheinbare Pflanze, die diesen Namen von den 3-teiligen schmalpfeilförmigen Spaltfrüchten bekommen hat.

Der Sumpf-Dreizack (Triglochin palustre) kommt in quelligen Sumpfwiesen, feuchten Niedermooren und an Ufern von Gewässern vor. In diesen Bereichen wächst er fast nur an gestörten - also z. B. vom Vieh zertretenen - oder verschlammten nährstoffarmen Stellen. Als konkurenzschwache Pflanze würde er bei Bedrängung durch andere Arten auch schnell verschwinden.

Die Verbreitungsschwerpunkte in Niedersachsen liegen alle in Küstennähe, insbesondere im Bereich Jadebusen und Unterweser. Im Binnenland kommt er nur zerstreut vor, in einigen Gebieten fehlt er völlig.

In den letzten Jahrzehnten ist aufgrund der großflächigen Entwässerung und infolge von Flächenumnutzungen ein starker Bestandsrückgang eingetreten. Daher ist der Sumpf-Dreizack heute in Niedersachsen stark gefährdet. Im Landkreis Diepholz sind noch einige Standorte bekannt.

Im Ehrenburger Moor befindet sich einer dieser Wuchsorte auf der Orchideenwiese der Stiftung Naturschutz.

Durch eine extensive Flächenpflege, die vorsichtige Rücknahme von aufkommenden Gehölzen und Erhaltung des Wasserregimes wird die Stiftung Naturschutz einen Beitrag zum Erhalt dieser interessanten Pflanzenart leisten.

Jan Kanzelmeier

Feldgrillen - Gesang des Sommers

b2003_02Feldgrillenmännchen und -weibchen
vor einer Erdröhre. Das Weibchen
mit dem Legebohrer am Hinterleib,
das Männchen mit starken "Schrilladern"
zur Tonerzeugung auf seinen Flügeln
b2003_03Eine Feldgrillenlarve vor ihrer Erdröhreb2003_04Die "Grillenheide" ist eine eiszeitlich
entstandene Binendüne, deren magerer
Sandboden mit Heide bewachsen ist.
Diese Landschaft ist am Neustädter Moor
durch Schafbeweidung entstanden
und wird durch diese althergebrachte
Nutzungsart noch heute erhalten.

Man kann ihn sich in der trüben Winterzeit wieder vornehmen, den frühsommerlichen Besuch bei den "singenden und tanzenden" Feldgrillen.

Auf sonnigen, eher trockenen, halboffenen bis offenen Flächen hält sich die Feldgrille (Gryllus campestris) am liebsten auf. Bevorzugte Lebensräume in der Diepholzer Moorniederung sind Sandheiden und -magerrasen sowie Moorheiden.

Als erste Sommerboten unter den Heuschrecken rufen die Feldgrillenmännchen ab Mai ihr bis zu 100 Meter weit hörbares "zri zri zri". Vor den Erdröhren, in denen sie noch als Larven überwintert haben, drehen und wenden sich die Männchen. Dabei reiben sie ihre Flügel aneinander und locken mit dem entstehenden Gesang die Weibchen an. Diese legen nach der Paarung ihre Eier im Boden ab. So beginnt im Juni der einjährige Lebenszyklus für die neue Generation.

In der Diepholzer Moorniederung, am Südostrand des Neustädter Moores, befindet sich einer von weniger als 10 Fundorten der Feldgrille in Niedersachsen. Landesweit wird sie als vom Aussterben bedroht eingeschätzt. Auch aus anderen Ländern melden die Kartierer einen Rückgang der Bestandszahlen.

Gegenläufig zu diesem Trend kann am Neustädter Moor in den letzten Jahren wieder der Zuwachs einer Feldgrillengruppe beobachtet werden. Seit 1984 hat der BUND Diepholzer Moorniederung den Bestand der "Grillen" aufgezeichnet. Nach 102 rufenden Männchen im ersten Aufzeichnungsjahr konnten bei der Zählung im Jahr 1991 nur noch 38 Feldgrillenmännchen nachgewiesen werden. Das Überleben der Tierart am Neustädter Moor erschien kritisch. Um dem Verlust dieser Heuschreckenart in der Region entgegen zu wirken begann der BUND mit den ersten Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen. Der Landkreis Diepholz kaufte zwei für die Feldgrille sehr wichtige Flächen auf. Eine kontinuierliche Fortsetzung dieser Arbeiten folgte bis heute. 2002 ergab die Bestandsaufnahme eine überraschend hohe Zahl von 591 Feldgrillenmännchen. Neu entstanden ist eine Feidgrillengruppe im NSG "Am Großen Renzeler Moor" mit 24 singenden Männchen. Sie sind die ersten Nachkommen einer geglückten Wiederansiedlung aus dem Jahr 2001.

Ohne die finanzielle Unterstützung des BUND Diepholzer Moorniederung wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Nach Eigenmitteln und Naturschutzgeldern, welche ab 1991 eingesetzt wurden, konnte im Jahr 2001/2002 ein umfangreiches Artenschutzprojekt für die Feldgrillen ins Leben gerufen werden. Die aufwendige Wiederansiedlung "Am Großen Renzeler Moor" wäre ansonsten nicht möglich gewesen. Hier finanzierten die Umweltstiftung Bingo LOTTO, das Arbeitsamt Nienburg, die Niedersächsische Umweltstiftung und der BUND. 2003 ist die Fortführung des Feldgrillenprojektes dank der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz, Bingo LOTTO und des BUND sichergestellt.

Ziel des Artenschutzprojektes Feldgrille war und ist die Sicherung, Optimierung und schließlich Wiederherstellung der seltenen, mageren, halbtrockenen bis trockenen Lebensräume zum Erhalt der Tierart. Widererwarten hat sich "Am Großen Renzeler Moor" die angesiedelte Feldgrillengruppe von 2002 auf 2003 aus eigener Kraft gut entwickelt. Treten keine extremen Wetterbedingungen auf wird die weitere Vermehrung von alleine stattfinden. Kommt jedoch ein ungünstiges Jahr kann hier mit wenig Aufwand der Bestand gehalten werden.

Die bisherigen Bestandsbeobachtungen verbunden mit daraus resultierenden praktischen Hilfsmaßnahmen, haben in der Region schon mehrfach das Überleben der Tierart gesichert. Diese Arbeit auch mit Kooperationspartnern fortzuführen, bleibt daher ein Bestreben des BUND Diepholzer Moorniederung.

 

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Antje Teerling - BUND Diepholzer Moorniederung

 

Auf zu neuen Ufern - die Ellernbäke zeigt ihr neues Gesicht

b2003_06Winter 2002: vor der Renaturierung
am Wiesenwäldchen. Die alte
Bachschleife ist noch zu erkennen.
b2003_07August 2003: nach der Renaturierung.
Der alte Bachlauf ist wiederhergestellt
worden.
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Nach langer Vorbereitungszeit konnte im vergangenen Sommer ein erster Teilabschnitt der Ellernbäke renaturiert werden.

Dieser kleine Bach, der nordwestlich von Twistringen fließt und in Köbbinghausen in die Delme mündet, hat es der Stiftung schon lange "angetan". Anfang der neunziger Jahre wurde die Stiftung auf die noch vorhandenen natürlichen Fließgewässerelemente der Ellernbäke, wie z. B. alte Bachschleifen und Prallhänge, aufmerksam.

Schade war nur, dass die Talaue der seit mehreren Jahrzehnten von einem begradigten und vertieften Entwässerungsgraben durchschnitten wurde. Aufgrund dieses Grabens hatte die eigentliche "alte" Ellernbäke den Anschluss an die Wasserführung verloren.

Schnell war klar, dass versucht werden sollte, den natürlichen Verlauf in der gesamten Talaue wieder herzustellen. Da das aber nicht so einfach ist, wie es sich zunächst anhört, mussten weitere Projektpartner gewonnen werden.

Mit der Bezirksregierung Hannover, der Stadt Twistringen, dem Amt für Agrarstruktur Sulingen, dem Ochtumverband Harpstedt, den Anliegern, der Abfallwirtschaftsgesellschaft und dem Niedersächsischem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz in Sulingen waren schnell geeignete Partner gefunden.

Allen Beteiligten wurde nach den ersten Gesprächen klar, dass die Umsetzung der Maßnahmen nur erfolgen kann, wenn entlang des Bachlaufs Flächen erworben werden können. Also musste ein Flurbereinigungsverfahren her, dass dann 1995 in Koordination durch das AfA Sulingen eingeleitet wurde.

Seitdem wurden etliche Flächen in der Talaue und weitere Tauschflächen erworben, so dass die Basis für die Renaturierung des Bachs geschaffen war.

Auf Antrag des Ochtumverbands stellte die Bezirksregierung Hannover Mittel aus dem Niedersächsischen Fließgewässerschutzprogramm zur Verfügung, so dass im Sommer diesen Jahres der Mittellauf der Ellernbäke renaturiert werden konnte. Zunächst musste dazu das ehemalige Wasserniveau hergestellt werden, was mittels sogenannter Sohlgleiten, die in den Bachlauf eingebaut wurden, gelang. Die Sohlgleiten stauen das Wasser im begradigten Bachlauf so hoch an, bis es wieder durch die trockengefallenen Bachschleifen fließen kann. Die alten Bachmäander brauchten nur noch gereinigt oder nachgearbeitet werden, damit das Wasser wieder seinen natürlichen Weg nehmen konnte.

Die renaturierte Ellernbäke ist so zu einem "Schmuckstück" unter den kleineren Bächen der gesamten Region geworden. Zudem ist das Projekt ein hervorragendes Beispiel für partnerschaftliche Zusammenarbeit im Naturschutz.

Jan Kanzelmeier

Neues aus dem Förderverein der Stiftung Naturschutz

Die Tagesordnung der Jahreshauptversammlung 2003 des Fördervereins der Stiftung Naturschutz sah neben den allgemeinen Punkten und verschieden Berichten auch die Neuwahl des Vorstandes vor.

Mit Christel Börger und Helmut Kastens verabschiedete der Vorsitzende Burchard Upmeyer zwei Urgesteine des Fördervereins. Frau Börger war seit der Gründung des Fördervereins für die Vereinsfinanzen als Schatzmeisterin tätig. Herr Kastens führte seit 1994 die Geschäfte. Beide scheiden nach jahrelangem ehrenamtlichen Engagement auf eigenen Wunsch aus.

Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Burchard Upmeyer; Stellvertreter Josef Meyer, Friedrich Möhlenpage und Herfried Lüdeke; Schatzmeister Rainer Ausborn; Beisitzer Reinhard Dummeyer, Hans-Dieter Tornow und Helmut Weiß; Geschäftsführer Jan Kanzelmeier.

In den Geschäftsjahren 2003 und 2004 unterstützt der Förderverein u. a. zwei Artenschutzprojekte. In der Diepholzer Moorniederung wird ein Projekt des BUND gefördert, indem verschiedene Pflegemaßnahmen erprobt werden, die zur Optimierung der Brutplätze des Kiebitzes führen sollen. In Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg soll ein regionales Hummelschutzprojekt entwickelt werden. Der Förderverein unterstützt dazu die zunächst notwendigen Vorbereitungs- und Kartierungsmaßnahmen. Die ersten Zwischenergebnisse werden im Spätsommer 2004 erwartet.

Auskünfte erteilen:

Der Vorsitzende: Burchard Upmeyer, Domäne, 27248 Ehrenburg, 04275/346
oder die Geschäftsstelle der Stiftung Naturschutz