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Ausgabe 2002

Das Herzblatt der Stiftung Naturschutz

SumpfherzblattSumpfherzblatt
(Parnassia palustris)

Die Stiftung Naturschutz betreut in ihrem Artenschutzprogramm verschiedene Feuchtwiesen, auf denen viele seltene Pflanzenarten vorkommen. Eine dieser Pflanzen ist das Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) - eine besonders geschützte Art.

Die Verbreitungsschwerpunkte in Niedersachsen liegen am südöstlichen Harzrand und auf einigen ostfriesischen Inseln, während im übrigen Tiefland der Bestand stark zurückgegangen ist und nur noch Restvorkommen bekannt sind. Eines davon befindet sich im Landkreis Diepholz und wird von der Stiftung Naturschutz betreut.

Diese im Durchschnitt nur bis 20 cm hoch werdende Art ist sehr lichtliebend und kommt nur auf nährstoffarmen Standorten vor. Bei steigendem Nährstoffgehalt wird das Herzblatt von Gräsern und anderen Pflanzen überwuchert und stirbt ab.

Aufgrund ihrer Konkurrenzschwäche ist zur Erhaltung eine übermäßige Verdämmung durch andere Pflanzen und eine Verfilzung der Vegetation zu vermeiden. Dies erreicht die Stiftung Naturschutz durch eine auf das Herzblatt abgestimmte Pflege. Je nach Aufwuchs wird 1 -2 x jährlich ein kompletter Pflegegang mit Mahd und Abfuhr des Mahdgutes durchgeführt.

Jan Kanzelmeier

Eine alte Idee auf neuen Wegen

Foto(v.l) Josef Meyer, Detlef Wulfetange
und Alfons Hallen bei der Arbeit...

Der Wunsch des Landkreises Diepholz, die heimische Kultur- und Naturlandschaft durch gezielte Maßnahmen langfristig zu sichern und eine Basis für die Kooperation zwischen "Flächennutzern" und "Flächenschützern" zu schaffen, führte 1984 zur Gründung der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz.

Durch Zustiftungen des Landkreises Diepholz, der Städte Diepholz und Syke, der Gemeinden Weyhe und Stuhr, der Dr. Jürgen-Ulderup-Stiftung sowie des Wasserbeschaffungsverbandes Syker Vorgeest und der Elastogran GmbH konnte das Stiftungsvermögen auf rund 1,5 Millionen Euro ausgebaut werden.

Aus den Zinserträgen des Stiftungskapitals sowie über weitere Zuwendungen und Spenden werden die verschiedenen Programme finanziert. Es werden ca. 300 Kleingewässer betreut, 3 Fließgewässer renaturiert, mehrere Feuchtwiesen gepflegt, Heideflächen instandgesetzt und entwickelt, Wälder und Waldränder angepflanzt sowie Obstwiesen angelegt.

Um die alte Idee der Basis-Kooperation zwischen "Flächennutzern" und "-schützern" zu festigen und auszubauen, möchten wir unseren Maßnahmenpartnern verstärkt Informationsmaterial über die regionale Naturschutzarbeit der Stiftung zur Verfügung stellen. Neben der bereits veröffentlichten Broschüre "Pflanzenwelt der Schlatts im Landkreis Diepholz" und unserer Internet-Seite soll dazu vor allen Dingen unser neues "Ginkgo-Blatt" dienen.

Der Vorstand der Stiftung Naturschutz:
Josef Meyer, Detlef Wulfetange, Alfons Hallen

Am Finkenbach entlang - Eine Exkursion des Vorstandes

FotoAlfons Hallen und Jan Kanzelmeier
begutachten die riesige, abgebrochene Eiche

Es ist Dienstag, 16. Juli, 13.30 Uhr Die Vorstandmitglieder Josef Meyer (Twistringen), Detlef Wulfetange (Diepholz), Alfons Hallen (Bassum), der Geschäftsführer Jan Kanzelmeier und der Vorsitzende des Beirates Martin Lütjen ziehen sich bei schönstem Sommerwetter Gummistiefel an und bereiten sich auf einen Gang in die Stiftungseigenen Flächen in Bassum-Bramstedt vor.

Nasse extensive Grünlandflächen und Erlenbrüche mit von Hangdruckwasser gespeisten Quelltöpfen erwarten sie.

Vor fast drei Jahren konnte die Renaturierung eines Finkenbachabschnitts mit finanzieller Unterstützung durch die Bezirksregierung Hannover abgeschlossen worden. Der ehemals begradigte Bach wurde mit einfachen wasserbaulichen Maßnahmen naturnäher gestaltet. Aus verschiedenen Steinlagen hergestellte Rauhe Sohlgleiten haben für eine abschnittsweise Anhebung der Gewässersohle gesorgt, so dass der Bach wieder seinen eigenen Weg auf den Stiftungsflächen suchen konnte. Heute soll nun die Entwicklung dieser Maßnahmen betrachtet werden, um weitere Überlegungen zum Finkenbachtal anstellen zu können.

Zunächst wurde aber deutlich, dass die Unwetter auch am Finkenbach ihre Spuren hinterlassen haben. Eine mindestens achtzigjährige Eiche des Talrandes war in 5 m Höhe einfach abgedreht worden und Eschen an einem Talweg hatten bis zu achtmeterlange Äste verloren. Hier muss aufgeräumt werden, war die einhellige Meinung. Und so packte der gesamte Vorstand sofort mit an, um einen Weg freizuräumen - zur Verkehrswegesicherung (s. Foto oben).

Ansonsten wurde in den Bruchbereichen sehr schnell klar, dass ein Bruchwald nicht mit einem Buchenhallenwald vergleichbar ist. Er sieht wilder, weniger ordentlich aus und sein Charakteristikum ist auch der "gebrochene Baum", der Platz macht für die Naturverjüngung, Lebensraum für weichholzbesiedelnde Insekten ist und dadurch z. B. den Buntspechten, die hier heimisch sind, eine Nahrungsgrundlage bietet.

Im weiteren Verlauf der Exkursion konnten wir wegen der hohen Wasserstände trotz Gummistiefel nicht alle Flächen begutachten. Viele Elemente einer naturnahen Bachaue - wie z. B. Groß- und Kleinseggenrieder zeigten insgesamt eine sehr erfreuliche Tendenz. Das Finkenbachtal wird sich langsam aber sicher in eine naturnahe Bachlandschaft entwickeln.

Martin Lütjen

Zum Leben erweckt - Der Brammer Bach hat sein altes Bett wiedergefunden

FotoDer begradigte, vertiefte Verlauf des
Entwässerungsgrabens vor der
Renaturierung
FotoDer wiederhergestellte alte Bachlauf,
der sich ganz flach und windend
durch den Erlenbruch zieht
b2002_06

Im Dezember 2001 wurden die Renaturierungsarbeiten am Brammer Bach in Syke-Gödestorf abgeschlossen. Aus einem schnurgeraden eintönigen Entwässerungsgraben konnte ein naturnahes Fließgewässer entwickelt werden.

Zwischen der Quelle des Brammer Baches im Kreuzbusch und seiner Mündung in den Süstedter Bach befindet sich ein teilweise sehr enger, bewaldeter Taleinschnitt, der für den Naturschutz wegen der vielen Quellen und naturnahen Erlensumpfwälder von großem Interesse ist.

In früheren Jahren ist der in diesem Tal verlaufende Brammer Bach zur Intensivierung der Entwässerung begradigt und vertieft worden, wodurch der Bach als natürliches Fließgewässer zerstört und die angrenzenden Waldflächen beeinträchtigt wurden.

Im Rahmen der durch das Amt für Agrarstruktur Verden organisierten Flurbereinigung Wachendorf konnte die Stiftung Naturschutz Flächen der Talaue erwerben.

Da der alte natürliche Bachverlauf noch vorhanden war, brauchte der abgesenkte Wasserspiegel durch Anstau des begradigten Entwässerungsgraben nur auf das ursprüngliche Niveau angehoben werden. Das Wasser fand seinen natürlichen Weg ganz alleine wieder.

Jan Kanzelmeier

 

Förderverein der Stiftung Naturschutz

b2002_07Der Vorsitzende des Fördervereins Burchard Upmeyer (links) bei der Übergabe eines Wasserflohmodells an Dr. Markus Richter vom Naturschutzring Dümmer

Zugleich mit der Stiftung Naturschutz ist 1985 ein Förderverein gegründet worden, der die Stiftungsarbeit in vielfacher Weise unterstützt. Die Vereinsmitglieder helfen der Natur mit einem Jahresbeitrag von 50,- Euro aber auch mit Vorschlägen für Naturschutzmaßnahmen.

Die Finanzmittel des Fördervereins gehen entweder als Spende an die Stiftung oder werden zur Finanzierung eigener Projekte eingesetzt. Seit 1985 konnten der Stiftung Naturschutz so bereits mehr als 55.000,- Euro zur Verfügung gestellt und viele Maßnahmen anderer Naturschutzinstitutionen unterstützt werden.

Wenn Sie die vielfältige Arbeit der Stiftung und damit auch den Erhalt der Natur im Landkreis Diepholz unterstützen wollen, sind Sie beim Förderverein der Stiftung Naturschutz richtig. Hier können Sie die Verwendung Ihres Beitrages bis zur Realisierung einer Maßnahme nicht nur selbst verfolgen, sondern Sie können, wenn Sie eine gute Idee verwirklichen möchten, dem Vereinsvorstand auch eigene Projektvorschläge machen. Wenn Sie interessiert sind, melden Sie sich bitte bei uns.

Wir beraten Sie gern!

Auskünfte erteilen:

Der Vorsitzende: Burchard Upmeyer, Domäne, 27248 Ehrenburg, 04275/346
der Geschäftsführer: Helmut Kastens, Hachedamm 7, 28857 Syke, 04242/2978
oder die Geschäftsstelle der Stiftung Naturschutz

 

Diepholzer Laubfrösche "international"

b2002_08Suchbild: Laubfrosch aus
Hallstedt

Vom 23. bis 25. August 2002 fand am Biologischen Institut Metelen ein Internationales Laubfrosch-Symposium statt, zu dem auch die Stiftung Naturschutz eingeladen war. In 21 Vorträgen, Exkursionen, Postern und Kurzfilmen wurden die neuesten Erkenntnisse zur Biologie und zu Schutzmaßnahmen für den Laubfrosch dargestellt.

Für die Stiftung Naturschutz stellte Geschäftsführer Jan Kanzelmeier das Schlattprogramm vor. Seit 1984 wurden über 300 Gewässer saniert, wiederhergestellt oder neu angelegt. Beiratsmitglied Markus Richter berichtete über die kürzlich durchgeführte landkreisweite Erfassung des Laubfrosches. Von den 123 Gewässern, an denen im Rahmen der Kartierung rufende Laubfrosch-Männchen festgestellt wurden, betreut die Stiftung gut ein Drittel. Die für die Erhaltung der Art besonders wichtigen Gewässer mit mehr als 30 rufenden Männchen werden zu Dreivierteln von der Stiftung betreut. Das Schlatt-Programm leistet somit einen ganz wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Laubfroschpopulation im Landkreis Diepholz.

Zahlreiche Vorträge des Symposiums kamen zu dem Ergebnis, dass sich der in vielen Gebieten in Mitteleuropa zu beobachtende starke Rückgang des Laubfrosches insbesondere durch Sanierung und Neuanlage geeigneter Laichgewässer aufhalten oder sogar umkehren lässt. Immer wieder wurde dabei die große Bedeutung der Kooperation mit Grundeigentümern, Landwirten und Bodenabbau-Unternehmen, wie sie von der Stiftung Naturschutz bereits seit ihrer Gründung praktiziert wird, hervorgehoben.

Markus Richter