Die Westernheide steht Modell

Stiftung Naturschutz startet in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen ein Schlatt-Projekt

Von Karin Neukirchen-Stratmann - Bruchhausen-Vilsen · Landkreis Diepholz. Die Wiederansiedlung seltener Pflanzen und Tiere – das erhofft sich die Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz von Schlatt-Renaturierungen. Das hat die Stiftung am Montagabend in der Westernheide in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen deutlich gemacht.

Ein Modellprojekt der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz nimmt Formen an: die Renaturierung zweier Schlatts im Bereich der Westernheide in Bruchhausen-Vilsen. Jan Kanzelmeier von der Stiftung Naturschutz hat das Projekt am Montag den Projektbeteiligten, Vertretern der Stiftung, des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN), der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen und der Flurbereinigung vor Ort vorgestellt.

Kleingewässerschutz, vor allem der Erhalt der Schlatts, steht seit mehr als 25 Jahren auf der Agenda der Stiftung, und das sei, so Kanzelmeier, einmalig für die Bundesrepublik. Unter dem Titel „Augen der Landschaft – neu entdeckt“ sollen nun mit Hilfe der beiden Schlatts und deren Renaturierung die Erprobung übertragbarer Techniken und Methoden zur Erkundung und Wiederherstellung historischer Schlattstandorte für Nordwestdeutschland untersucht werden. Kein Wunder also, dass die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Sitz in Osnabrück Hauptförderer des Unterfangens ist.

Die Flächen konnte die Stiftung Naturschutz anlässlich des Flurbereinigungsverfahrens Homfeld-Wöpse sichern, von dort gab es auch weitere Fördermittel. Insgesamt gehört der Stiftung nun eine Fläche von 4,8 Hektar, auch der Wasserbeschaffungsverband hat daran einen Anteil. Finanziell unterstützt wird das Projekt auch von der Gemeinde Bruchhausen-Vilsen und von der Stiftung Naturschutz selbst.

Derzeit sind auf dem Gelände in der Westernheide Bagger und Traktoren im Einsatz. Ein Schlatt ist bereits in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt, das zweite wird gerade ausgebaggert. Allerdings nur oberflächennah, denn „Schlatts sind in der Regel grundwasserunabhängig und werden überwiegend vom Oberflächenwasser gespeist“, erklärt Jan Kanzelmeier vor Ort. Je nach Regenaufkommen ist die Wasserfläche daher gut sichtbar, oder eben nicht. In der Vergangenheit seien über 90 Prozent der im Landkreis vorhandenen Schlatts verfüllt worden, hat man Gräben gezogen, um das Wasser abzuleiten. „Viele sind als Schlatt gar nicht mehr zu erkennen.“

Dem Thema Schlatt hat sich die Stiftung seit ihrem Bestehen gewidmet. Nun soll das Ganze auf wissenschaftlicher Basis untersucht werden, daher auch das Interesse der DBU. „Schlatts sind von höchster Bedeutung für die Vielfalt in Flora und Fauna und als Trittsteinbiotop geeignet“, so Kanzelmeier.

Die Stiftung erhofft sich nicht nur in der Westernheide eine Wiederansiedelung seltener Tiere und Pflanzen, sondern auch an den anderen fünf vermutlichen Projektstandorten, darunter in Twistringen und Bassum.

Das Engagement der Stiftung Naturschutz in Sachen Schlatts endet für die Samtgemeinde aber nicht in der Westernheide. Ganz aktuell stehen in den drei Flurbereinigungsverfahren in Engeln-Oerdinghausen, Ochtmannien-Weseloh und Scholen auch Schlatts im Programm (wir berichteten), für die die Stiftung Naturschutz bereits Interesse und auch finanzielle Förderung zugesagt hat.

Quelle: Weserkurier vom 02.10.2014